Bei den Europameisterschaften der Berufe, den EuroSkills 2025 im dänischen Herning, haben zwei bayerische Nachwuchsschreiner eindrucksvoll bewiesen, wo in Europa der Hobel hängt: Moritz Wagner aus Weißenhorn, ausgebildet bei der Schreinerei Alt Inspiration Holz in Buch (Schreinerinnung Neu-Ulm), und Lutz König aus Leutershausen, ausgebildet bei der Schreinerei Meißner in Neusitz (Schreinerinnung Rothenburg ob der Tauber), holten mit teils deutlichem Vorsprung jeweils die Goldmedaille bei den Bau- und Möbelschreinern und sind damit Europameister im Schreinerhandwerk!
Besonders bemerkenswert: Es war die erste Teilnahme des deutschen Schreinerhandwerks überhaupt bei den EuroSkills – und gleich ein doppelter Sieg! Dieser Triumph ist nicht nur ein persönlicher Erfolg der beiden jungen Handwerker, sondern auch ein starkes Zeichen für die Qualität der Ausbildung im bayerischen Schreinerhandwerk.
aus Leutershausen, ausgebildet bei der Schreinerei Meißner in Neusitz (Schreinerinnung Rothenburg ob der Tauber)
Als bayerischer und deutscher Meister 2021 sicherte er sich den Platz im Nationalteam. Er spezialisierte sich auf die Kategorie "Bauschreiner". Eine Teilnahme an den WorldSkills 2024 in Lyon musste Lutz König noch wegen seiner Meisterprüfung ausschlagen. In Herning konnte er seinen Start dafür grandios vergolden.
aus Weißenhorn, ausgebildet bei der Schreinerei Alt Inspiration Holz in Buch (Schreinerinnung Neu-Ulm)
Er sicherte sich im Jahr 2023 zunächst als bester Nachwuchsschreiner den Bayerischen Meistertitel. Anschließend überzeugte er auf Bundesebene und wurde mit großem Vorsprung auch Deutscher Meister. Mit seinem ersten Platz qualifizierte er sich für das deutsche Nationalteam und damit für die Teilnahme an den EuroSkills 2025. Er trat dort in der Kategorie "Möbelschreiner" an – mit größtmöglichem Erfolg.
Denn nicht nur die Teilnehmer, sondern auch das gesamte Erfolgsteam kommt aus Bayern: Trainiert wurden Wagner und König von den erfahrenen Innungsschreinern Florian Langenmair (Dinkelscherben) und Michael Martin (Burgberg). Am Wettkampfort betreuten sie die ehemaligen WorldSkills-Teilnehmer und heutigen Experten Benjamin Supé und Florian Meigel, die mit großem Fachwissen und Erfahrung zur Seite standen.
Ein solcher Erfolg ist kein Zufall – er ist das Ergebnis harter Arbeit, Leidenschaft und echter Teamleistung. Möglich wurde er auch durch die starke Unterstützung des Fachverbands Schreinerhandwerk Bayern und des Bundesverbands Tischler Schreiner Deutschland, die das Projekt nicht nur fachlich, sondern auch finanziell maßgeblich mitgetragen haben.
Eine Nationalmannschaft ist ohne Trainer nicht denkbar. Daher verdient auch der unermüdliche Einsatz der Nationaltrainer Florian Langenmair und Michael Martin höchste Anerkennung. Beide sind Innungsmitglieder aus Bayern, sehr wettbewerbserfahren und haben sich seit 2014 leidenschaftlich dem Wettbewerb und den Nachwuchsschreinern verschrieben.
In den Monaten vor dem Wettbewerb bereiten sich die beiden Teilnehmer intensiv auf die Berufsweltmeisterschaft vor. Dabei werden sie in mehrtägigen Trainingseinheiten schrittweise an die Prüfungsstücke und die Wettkampfsituation herangeführt. An der Meisterschaft selbst dürfen die Nationaltrainer keinen Kontakt mehr zu ihren Schützlingen haben. Sie bilden mit den Trainern der anderen Nationen die Bewertungskommission und wären somit befangen. Die Betreuung der Teilnehmer vor Ort übernehmen deshalb die jeweiligen Experten.
Die Experten sind die direkten und einzigen Ansprechparter für Teilnehmer an den Wettkampftagen. Mit ihren eigenen Erfahrungen aus vergangenen Meisterschaften können den Jungschreinern mentalen und fachlichen Rückhalt bieten. Um den Wettkämpfern eine echte Unterstützung zu sein, sind sie in der Vorbereitungsphase bereits involviert und begleiten die Trainings.
Selbst bayerischer Meister 2017 sowie Bundessieger errang Florian Meigel als Bauschreiner den vierten Platz bei Berufsweltmeisterschaft WorldSkills 2019 im russischen Kazan und gewann eine Exzellenzmedaille. Seitdem engagiert sich der Schreinermeister aus Benediktbeuern ehrenamtlich beim jährlichen Praktischen Leistungswettbewerb, entwickelt Prüfungsstücke und gibt seine umfassenden Erfahrungen an die Teilnehmer weiter. Damit unterstützte er bereits vielen weiteren bayerischen Jungschreinern auf ihrem Weg zum deutschen Meistertitel. 2024 wurde er zum Experten der Nationalmanschaft berufen.
Der Schreiner aus Hohenschäftlarn wurde 2020 bayerischer Meister, anschließend deutscher Meister und vertrat Deutschland als Möbelschreiner bei den WorldSkills 2022, wo er eine Exzellenzmedaille gewann. Zu den EuroSkills 2025 wurde er zum Experten der Nationalmannschaft berufen.
„Wahre Werte. Echte Meister.“ – das ist für die bayerischen Innungsschreiner mehr als ein Motto. Es steht für Zusammenhalt, Spitzenleistung und Stolz auf das, was man mit den eigenen Händen schafft. Unsere Nachwuchsschreiner haben Europa gezeigt, wie modern, stark und zukunftsfähig das Handwerk aus Bayern ist.
Junge Fachkräfte aus ganz Europa messen ihre Fertigkeiten in etwa 38 Ausbildungsberufen bzw. Disziplinen aus Handwerk, Industrie und Dienstleistung. Insgesamt gingen in Dänemark 585 Teilnehmende aus 32 Nationen an den Start. Über 100.000 Zuschauende drängten sich dabei auf dem Wettkampfgelände in den Messehallen von Herning.
Das Schreiner-Nationalteam trat 2025 erstmals in den Disziplinen Möbelschreiner und Bauschreiner auf einer Europameisterschaft an, hat in der Vergangenheit jedoch bereits viele Gold-, Silber- und Bronzemedaillen bei den WorldSkills gewonnen und zählt seit Jahrzehnten zur Welt-Elite. Fast jedes Jahr sind Nachwuchsschreiner aus Bayern teil der deutschen Nationalmannschaft. Im Wettbewerbsjahr dürfen die Teilnehmenden nicht älter als 22 Jahre sein (das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben).
Vor dem Wettbewerb trainieren die Teilnehmer über mehrere Wochen-Blöcke unter Anleitung und laufend privat in der Freizeit. Zusätzlich zum Beruf bringen die Titelanwärter dabei bis zu 30 Trainingsstunden pro Woche und das über acht bis neun Monate. Neben Talent und einer exzellenten Ausbildung ist die gezielte und professionelle Vorbereitung einer der wichtigsten Schlüssel zum Erfolg. Die steile persönliche Lernkurve in der Vorbereitung und die intensive Erfahrung als Teil einer Nationalmannschaft durch solch eine extreme Wettkampfsituation zu gehen, sind sicher das Wertvollste, was die jungen Schreiner von dieser Reise mitnehmen können. Dass sich am Ende Ehrgeiz und Leidenschaft zudem in Form einer Medaille auszahlen kann man allen Teilnehmenden nur wünschen.
Weitereführende Informationen und Meldungen zu den EuroSkills 2025: