Der Wettbewerb auf Bundesebene mit den Gesellenstücken des Jahrgangs 2019 hätte ursprünglich auf der Internationalen Handwerksmesse im März 2020 in München stattfinden sollen. Nach der Absage der Messe hoffte man auf eine mögliche Ausstellung der Gesellenstücke an einem anderen Ort. Doch die Angst vor Corona und daraus resultierende Gefahren haben schließlich die Ausstellung in diesem Jahr unmöglich gemacht. So ist die Jury zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs virtuell zusammengekommen und hat auf Grundlage der von den Gesellinnen und Gesellen eingereichten Unterlagen die Preise vergeben.
In diesem außergewöhnlichen Jahr erringt ein bayerisches Gesellenstück den zweiten Platz. Martin Auer aus Mainburg, der in der Schreinerei Schretzlmeier in Train (Innung Kelheim) ausgebildet wurde, verpasste mit seinem Anlehnmöbel nur hauchdünn den Gesamtsieg. Es fand damit trotz der bayerischen Richtlinie „ein Gesellenstück muss ein Gesellenstück bleiben“ bei der Jury großen Anklang fand. Interessant ist dabei die Jurybegründung: „Sparsamer Materialeinsatz und eine reizvolle Geometrie bestimmen die schlichte Gestalt des platzsparenden Anlehnmöbels in Eiche. Unter der auskragenden Schreibplatte sind nebeneinander eine Schublade auf einem selbst gefertigten Kulissenauszug und eine Klapplade mit selbst gefertigter Verriegelung und Öffnungsbegrenzung angeordnet. Das klar fokussierte Thema, die wache Form, clevere Funktionen und nicht zuletzt die Ästhetik der handwerklichen Ausführung bilden in der Summe ein überzeugendes Konzept für ein Gesellenstück, das sich in angemessener Zeit anfertigen lässt.“ Hier hat man sich also doch auf die eigentlichen Vorgaben der Ausbildungsordnung und die klar definierten Regeln des Wettbewerbs Die Gute Form zurückbesonnen.
Sieger wurde Jonas Heise aus Nordrhein-Westfalen mit einem außergewöhnlichen "Säulenschrank“. Die Jury beurteilte das Möbel als "eine hochästhetische kinematische Möbelskulptur, die in jeder Hinsicht herausragend ist". Dabei sind radial angeordnete, in der Höhe segmentierte Lamellen aus Oregon jeweils durch zwei Ringe aus Polymerkleber zu elastischen Mantelabschnitten verbunden. Sie umkleiden ovale Multiplexböden, die mit dem Werkstoff Ritchlite aus Kraftpapier und Phenolharz belegt sind.
Drittplatzierter wurde Wolf Weingarten aus Hessen mit der Sitzbank Tête-à-tête. Die Jury freute sich dabei über die humorvolle Neuinterpretation eines Klassikers. Sie entspricht dem Zeitgeist, zeigt jedoch durch die gegenläufige Sitzposition und die gelungene Einbindung des Korpus in das organisch aus Elsbeere geformte Gestells aber zugleich eine hohe formale Eigenständigkeit.
Den Sonderpreis "Massivholz" erhielt Natalie Herrmann aus Sachsen für ihr modular konzipiertes Dielenmöbel samt fachgerechter Gestaltung und Konstruktion in Massivholz. Nach Niedersachsen ging der Sonderpreis "Beschlag". Maximilian Brüggemann erhielt ihn für sein Stauraummöbel mit ausgeklügelten handwerklichen Beschlaglösungen. Den dritten Sonderpreis für eine besonders gelungene Oberfläche gewann Nils Schröer aus Baden-Württemberg, der seinem Stehsekretär aus massiver Weißtanne mit überschobenen Rauten eine äußerst ästhetische, ornamentale-plastische Wirkung verliehen hat. Mit Belobigungen wurden außerdem der Tischkicker von Johannes Ackermann (Baden), das Stauraummöbel "Vertichrom" von Anna-Stella Hellweg (Berlin) sowie der Kräuterschrank von Lea Zehme (Hessen) ausgezeichnet.
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