Aufgrund der großen Bedeutung für die Branche wurde das Thema der Nachfolgeregelung im Rahmen des Thalhofer-Preises 2025 aufgegriffen. Die Aufgabenstellung war diesmal „Betriebsnachfolge meistern: Strukturiert planen, vorbereiten, umsetzen“. Und obwohl diese Thematik häufig nicht offen besprochen wird und sehr komplex ist, haben sich insgesamt 15 Unternehmen mit völlig unterschiedlichen Präsentationen am Wettbewerb beteiligt. Die Bewerbungen spiegelten dabei eindrucksvoll wider, dass erfolgreiche Betriebsnachfolge mehr bedeutet als eine reine Übergabe. Viele Konzepte beeindruckten durch eine offene Kommunikation, frühzeitige Planung und die Einbeziehung aller Beteiligten. Die Schilderung der eigenen Vorgehensweise, Erfahrungen und Probleme können dabei eine wichtige Hilfestellung für andere Innungsbetreibe sein.
Die Übergabe eines Betriebs an die nächste Generation zählt zu den größten Herausforderungen, denen sich das Schreinerhandwerk aktuell gegenübergestellt sieht. Schätzungen zufolge werden in den kommenden fünfzehn Jahren bis zu 50 Prozent der Schreinerbetriebe in Bayern eine Betriebsnachfolge regeln müssen. Denn die „Boomer-Generation“, aus der auch viele Unternehmer stammen, erreicht das Rentenalter. Da die nachfolgenden Generationen nicht mehr so stark sind, führt dies bereits zu großen Herausforderungen. Diese Entwicklung ist jedoch nicht nur dem demographischen Wandel und dem Fachkräftemangel geschuldet. Auch veränderte Lebensmodelle und neue Vorstellungen von Work-Life-Balance erschweren den klassischen Übergang innerhalb der Familie. Umso wichtiger ist es, die Nachfolge strukturiert anzugehen, frühzeitig zu planen und transparent umzusetzen.
Im Rahmen des Zukunftsforums Schreiner 2025 in Fürstenfeldbruck zeichnete nun der Fachverband Schreinerhandwerk Bayern (FSH Bayern) gemeinsam mit der Thalhofer-Gruppe Betriebe aus, die sich mit der Betriebsübergabe intensiv und strukturiert auseinandergesetzt haben. Die Preisverleihung wurde dabei erneut von Moderator Thorsten Otto begleitet, der charmant durch den Programmteil führte und die Vertreterinnen und Vertreter der ausgezeichneten Betriebe auf die Bühne bat. Passend zum Thema übergab als Vertreterin der Thalhofer-Gruppe Anna Thalhofer, die Tochter des geschäftsführenden Gesellschafters der Thalhofer-Gruppe, Stefan Thalhofer, die Preise. Sie gehört inzwischen ebenfalls der Unternehmensleitung an. Von Seiten des FSH Bayern erfolgte dies durch das Vorstandsmitglied Martin Vilgertshofer und Hauptgeschäftsführer Dr. Christian Wenzler die Preise.
| Gewinner | Schreinerei Raithel Münchberg (SI Hof-Wunsiedel) |
| 2. Preis | Schreinerei Hans Aumüller Egenhofen (SI Fürstenfeldbruck) |
| 3. Preis | Schreinerei Sebastian Schuberth Oberkotzau-Autengrün (SI Hof-Wunsiedel) |
Die Schreinerei Raithel beeindruckte durch ihre detaillierte und strukturierte Analyse der Ist-Situation des Unternehmens, die Umfassende Ermittlung der Interessen des Übergebers und des potenziellen Betriebsnachfolgers, der Einbeziehung möglichst aller Beteiligten (Mitarbeiter, Banken, Berater uvm.), der Berücksichtigung der familiären Verhältnisse sowie der professionellen und aktive Kommunikation der Übergabe an die Kunden in Corona-Zeiten.
| Gewinner | Franz Schroll GmbH Chieming (SI Traunstein) |
| 2. Preis | Schreinerei Pfisterer GmbH Berg (SI Starnberg) |
| 3. Preis | Werner Schönberger GmbH Schmidgaden (SI Schwandorf) |
Bei den größeren Betrieben überzeugte die Franz Schroll GmbH, ein Familienunternehmen mit 30 Mitarbeitern, durch seine langfristige Übernahmeplanung, in der eine klare Aufgabenverteilungen zwischen den beiden Schwestern entwickelt wurde, die den Betrieb übernehmen. Dazu zählt auch die gemeinsame Ausarbeitung der langfristigen Unternehmensvision und Zielsetzung, das frühzeitige Einbinden von kompetenten Beratern, ein Übergabekonzept mit 10-Jahres-Plan sowie die schrittweise Übergabe der Unternehmensanteile bei gleichzeitiger Modernisierung des Betriebs. Beeindruckend war auch die Kritische Analyse von Problemen und Fehlern.
Die Vielfalt der eingereichten Konzepte machten klar: Betriebsnachfolge ist nicht nur ein organisatorisches, sondern vor allem ein emotionales und kommunikatives Thema. Der FSH Bayern dankt daher allen teilnehmenden Unternehmen, die sich am diesjährigen Innovationspreis beteiligt und sich mit viel Engagement und hervorragenden Unterlagen beworben haben. Ihr Input ist so wertvoll, dass derzeit darüber nachgedacht wird, in welcher Form diese Ausarbeitungen und Überlegungen auch anderen Innungsbetrieben zur Verfügung gestellt werden kann. Dies betrifft auch nicht nur die Informationen der Preisträger, sondern aller teilnehmenden Unternehmen.
Der Dank richtet sich natürlich auch an Stefan Thalhofer und seine Familie für die Stiftung des Preises und die Unterstützung des bayerischen Schreinerhandwerks. Nach dem großen Erfolg kündigte Anna Thalhofer auch bereits an, dass geplant sei, im Jahr 2027 den Thalhofer-Preis erneut auszuschreiben.