Die Küche im Wandel der Zeit

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass alle guten Partys in der Küche enden. Doch wie wurde die Küche zum heutigen Anziehungspunkt?


Am Anfang stand das Überleben. Die Zubereitung von Nahrung war und ist die primäre Funktion einer jeden Küche. Die Gemeinschaftsnutzung fand aber schon bei den ersten nachgewiesenen Strukturen einer Küche statt. Grabungsfunde aus der vor­keramischen Jungsteinzeit um 8350 bis 7370 vor Christus bei Jericho zeigen Anordnungen einfacher Lehmöfen, offener Feuerstellen und Mahlsteine in den Innenhöfen strohgedeckter Lehmhütten.

Dieser „Prototyp“ der Küche erfuhr nun in seiner Entwicklungsgeschichte eine immer stärkere Aufwertung als bestimmen­des Element von Wohnräumen. Der Zweitnutzen als Treff- und Mittelpunkt des Familienlebens rückte dabei immer stärker in den Vordergrund.

Im Mittelalter trug sogar Leonardo da Vinci zur Erweiterung der Küche bei, indem er einen mechanischen Drehspieß erfand, der dann in der Renaissance großen Anklang fand. Im Übergang zum Barock wurde die Repräsentation stilbildend und das übertrug sich auch auf die Küche. Im Rokoko kam eine Erfindung hinzu, die heute fester Bestandteil jeder Küche ist: der Topf- oder auch Sparherd von Graf Rumford. Dieser setzte sich zudem für die Gestaltung günstiger Küchengeräte ein.

Als der Herd noch eine richtige Feuerstelle war

„Eine gute Küche ist das Fundament allen Glücks.“ – Auguste Escoffier

Mit einem weiteren Zeitsprung geht es ins 19. Jahrhundert zum Bürgertum, wo der Grundstein für die moderne Küchenkultur gelegt wurde. Das Kochen wurde zunehmend wissenschaftlicher, Apparaturen, Materialien und Zutaten wurden vielseitiger. Industrialisierung und Urbanisierung brachten Erleichterung in Form von Trinkwasserversorgung und einer geregelten Entsorgung der Abwässer. Der höhere Lebensstandard in den Städten war auch der Wegbereiter für den modernen Meisterkoch wie Auguste Escoffier. Er vereinfachte die komplizierte Zubereitung von Gerichten und machte sie leichter und verdaulicher. 

Der Siegeszug der Systemküche

Nach dem Zweiten Weltkrieg war schnell ausreichend Wohnraum gefordert. Das rief die Einbauküche auf den Plan, die ihren Platz in Wohnanlagen und Plattenbauten westlich und östlich der Mauer einnahm. Erst durch ihre Verbreitung und durch einheitliche Baugrößen wurde auch die Massenproduktion entsprechender Elektro- und Einbaugeräte möglich.

Die Küche wächst in den Wohnraum

Dem Einheits-Look folgten die gegenläufigen Entwürfe der Design-Ikone Otl Aicher, der versuchte, das „Diktat der Einbauküche“ zu durchbrechen mit Küchen, „in denen man vernünftig und mit Lust kochen kann“. So sind heutige Küchen mehr und mehr Ausdruck des persönlichen Lebensstils, für den Innungsschreiner maßgeschreinerte Lösungen anfertigen können – egal wie das Platzangebot ausfällt. Gerade auch für den aktuellen Loft-Trend, bei dem einstige Zimmer zu großzügigen Wohnzonen mit frei stehenden Kochinseln verschmelzen. Die Küche folgt offenbar ihren Düften, die beim Kochen alle Räume erfüllen.


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